3D Bildformate - Stereofotografie und Stereoskopie

Bildformate für die
dreidimensionale Fotografie.

(Allgemeine Informationen)

MPO

(Multi Picture Object)

Multi Picture Object (MPO) oder Multi Picture Format (MPF) ist ein Bildformat für die dreidimensionale Fotografie. Klassische und in der zweidimensionalen Fotografie etablierte Bildformate wie JPEG oder PNG sind nicht zur Speicherung stereoskopischer Bilder geeignet, in den Dateien findet jeweils nur eine Fotografie Platz, es werden aber zumindest zwei Fotografien, eine für das rechte und eine für das linke Auge benötigt. Bei dem Format Multi Picture Object werden alle zur Anzeige notwendigen Daten innerhalb einer einzigen Datei mit der Erweiterung. MPO gespeichert, um dem Nutzer den Umgang mit dem stereoskopischen Bildmaterial zu erleichtern. Zwar wäre es möglich, beide Fotografien in jeweils separaten Dateien in einem der genannten Formate zu speichern, problematisch kann es jedoch werden, wenn eine der beiden Dateien versehentlich gelöscht wird oder irrtümlicherweise an einem anderen Ort gespeichert wird und so für die Betrachtersoftware nicht mehr auffindbar ist.

Herkunft und Aufbau des Formats: Das MPO-Format wurde im Jahre 2009 von der CIPA (Camera & Imaging Products Association) standardisiert und ist heute das Standardausgabe- und Eingabeformat für dreidimensionale Photographien in den Geräten mehrerer Hersteller. Der MPO-Standard basiert auf dem JFIF-Standard, welcher wiederum ein Containerformat für JPEG-Dateien beschreibt. Nicht nur die Struktur einer MPO-Datei basiert auf Altbekanntem: Zur komprimierten Speicherung der Bilder innerhalb einer MPO-Datei wird das JPEG-Verfahren eingesetzt, tatsächlich besteht eine MPO-Datei im Prinzip aus nichts anderem als einer Reihe aneinander gehängter JPEG-Bilder und einigen für die dreidimensionale Darstellung notwendigen Zusatzinformationen.

MPO als Erweiterung von JFIF: Die Erweiterungsmöglichkeit, welche der JFIF-Standard über die APPx-Marker bereitstellt, wird vom MPO Format genutzt, um die organisierte Speicherung mehrerer Bilder innerhalb einer einzigen Datei zu ermöglichen. Um Konflikte mit den häufig genutzten Exif und IPTC-Markern APP1 und APP13 zu vermeiden, werden die Daten der MPO-Erweiterung im APP2-Marker gespeichert. Eine MPO-Datei besteht aus einer einfachen Verkettung von zwei oder mehreren JPEG-Dateien in JFIF Containern. Die Bilder sind aneinandergehängt in einer einzelnen Datei gespeichert. Der einzige Unterschied zwischen einem einzelnen Bild in dieser Verkettung und einer herkömmlichen JPEG-Datei liegt im Fehlen des APP0-Markers mit den JFIF-Versionsinformationen und im Vorhandensein des APP2-Markers und den darin enthaltenen Informationen zur Darstellung der verketteten Bilder. Für gewöhnlich enthalten die Bilder in einer MPO-Datei auch den APP1-Marker mit Exif-Metadaten und einer Miniaturansicht des Bildes. Der APP2-Marker enthält einige Bytes zur Identifikation des Markers als MPO-Erweiterung, Versionsinformationen zur verwendeten MPO-Spezifikation, etliche Parameter, die den Blickwinkel und die genaue Position der Aufnahme beschreiben, sowie eine Typzuweisung für das jeweilige Bild. Der Typ beschreibt, zu einem gewissen Grad, den Inhalt des jeweiligen Bildes und bestimmt, wie es angezeigt werden soll. Gültige Typen sind:

  • (A) Baseline MP Primary Image (primäres Bild), ...
  • (B) Large Thumbnail (Version in anderer Auflösung), ...
  • (C) Multi-Frame Image (andere Ansicht der Szene) und … 
  • (D) Undefined (undefinierter Typ).

Das jeweils erste Bild in der Verkettung enthält im APP2-Marker zusätzlich einen Index aller in der MPO-Datei enthaltenen Bilder, jeweils mit individuellen Kennungen, Bilddimensionen (Höhe mal Breite), genauer Position in der Datei und Größe des jeweiligen Bildes innerhalb der Datei in Byte. Dieser Index wird genutzt, um auf alle Bilder innerhalb der Datei einzeln zugreifen zu können.

Möglichkeiten des Formates: Die Speicherung und die Darstellung stereoskopischer Bilder ist zwar der übliche Nutzungszweck für das MPO-Format, MPO kann jedoch mehr. Es ist möglich, mehr als nur zwei individuelle Bilder innerhalb der Datei zu speichern und diese Bilder müssen auch nicht zwingend unterschiedliche Ansichten derselben Szene zum selben Zeitpunkt darstellen.

Baseline MPO Modus: Die Darstellung einer Szene aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu einem gegebenen Zeitpunkt bietet sich durch die Struktur der MPO-Erweiterungen im APP2 Marker zwar an, tatsächlich war aber einer der ursprünglichen Nutzungszwecke des Formates die Speicherung zweier Varianten ein und desselben Bildes: eine Variante in der ursprünglichen Auflösung, eine Variante in einer für die Darstellung auf HD-TVs optimierten Auflösung. Man nennt diese Form der Nutzung auch den Baseline MPO-Modus, sie erlaubt als einzige gültige Typen A (Primäres Bild) und B (Version in anderer Auflösung).

Extended MPO Modus: Weit häufiger als der Baseline MPO-Modus wird in der Praxis der Extended MPO-Modus verwendet. Dieser erlaubt alle Typen, und lässt durch den undefinierten Typ dem Ersteller praktisch alle Freiheiten bei der Zusammenstellung der verketteten Bilder. Obwohl so praktisch eine komplette Dia-Schau (man denke an einen Satz Urlaubsbilder) innerhalb einer einzigen Datei möglich wäre, ist diese Nutzung eher selten. Im herkömmlichen Gebrauch enthält eine MPO-Datei mehrere Ansichten derselben Szene, also Bilder des Typs C (andere Ansicht der Szene). Für den Typ C sind im MPO-Standard drei Untertypen definiert: Panorama, Disparity und Multi-Angle.

Panorama-Modus: Der Panorama-Untertypus ist weitgehend selbsterklärend und leicht von den anderen Untertypen abzugrenzen: Alle Bilder dieses Untertypus innerhalb einer MPO-Datei ergebenen gemeinsam eine umfassende Ansicht einer Szenerie (z. B. Innenansicht eines historischen Gebäudes) von einem bestimmten Standort aus. Die Bilder wurden jeweils so photographiert, dass sie an den Rändern nahtlos zusammengesetzt werden können, und so für den Betrachter die Illusion einer tatsächlichen Rundumsicht schaffen können.

Disparity-Modus: Weniger leicht fällt die Abgrenzung zwischen den Untertypen Disparity und Multi-Angle. Beide Typen werden für Bilder verwendet, die eine bestimmte Szene von unterschiedlichen Standorten aus und gegebenenfalls leicht oder stark unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Der Unterschied zwischen den Typen liegt im vorgesehenen Anzeigemodus: Bei Bildern des Typus Disparity weichen die Standorte der einzelnen Bilder untereinander nur gering ab, so gering wie etwa der typische Abstand zwischen zwei menschlichen Augen. Der Disparity-Typ wird bei Bildern verwendet, die zur gleichzeitigen, dreidimensionalen Ansicht auf 3D-fähigen Geräten vorgesehen sind. Es ist möglich mehr als nur zwei Bilder des Typus Disparity in der Verkettung zu speichern, und so mehrere dreidimensionale Ansichten einer Szene in einer einzigen Datei zu speichern.

Multi-Angle-Modus: Bilder des Typus `Multi-Angle` hingegen sind üblicherweise nicht zur gleichzeitigen, dreidimensionalen Ansicht geeignet. Die einzelnen Bilder dieses Typen zeigen verschiedene, teilweise stark abweichende Ansichten einer Szene und sind zur Einzelansicht vorgesehen. Denkbar ist bei Bildern dieses Typen etwa die Ansicht eines historischen Gebäudes von der Nord-, Ost-, Süd-, Westseite oder gar aus der Vogelperspektive.

JPS

(als Alternative zu MPO)

Darstellung eines .JPS Bildes innerhalb eines Bildbetrachtungsprogramms. Man beachte die Unterschiede zwischen dem linken und dem rechten Bild, besonders deutlich erkennbar an den Bildrändern. JPEG Stereoscopic (JPS) ist ein weiteres Bildformat, welches zur Speicherung und Darstellung stereoskopischer Bilder geeignet ist. Wie das MPO Format basiert es auf dem JPEG Verfahren und auf dem JFIF Container, bietet jedoch weit weniger Möglichkeiten als MPO und ist in der Praxis weniger verbreitet. Eine JPS-Datei besteht – im Gegensatz zu einer MPO Datei – aus einer einzigen JPEG / JFIF-Datei. Die Erweiterungen für die dreidimensionale Anzeige sowie die Identifizierung als JPS-Datei werden dabei im bislang nicht genutzten APP3-Marker gespeichert. Die zwei Ansichten des Bildes für die stereoskopische Darstellung sind innerhalb eines einzigen Bildes, Seite an Seite gespeichert. JPS-Dateien enthalten außerdem wie gewöhnliche JPG Dateien, anders als die verketteten Bilder innerhalb einer MPO-Datei, üblicherweise den APP0-Marker mit den JFIF-Versionsinformationen. Die spezielle Art der Speicherung innerhalb einer JPS-Datei hat einen großen Vorteil gegenüber der Speicherung innerhalb einer MPO-Datei: Der einzige Unterschied zu einer herkömmlichen JPEG-Datei ist der APP3-Marker, welcher von mit JPS nicht kompatiblen Anzeigeprogrammen ignoriert wird. Daher können beide Ansichten innerhalb jedem beliebigen zur Darstellung von gewöhnlichem JPEG-fähigen Anzeigeprogramm dargestellt werden. Auch MPO bietet eine solche Möglichkeit zur Darstellung auf nicht kompatiblen Plattformen, jedoch nur für das erste Bild in der Verkettung.

Kreuzblick

(Stereoskopisches Sehen)

Stereoskopisches Sehen, auch räumliches Sehen, Stereosehen oder Stereopsis genannt, vermittelt durch die beidäugige Betrachtung von Objekten und Gegenständen eine echte, quantifizierbare Tiefenwahrnehmung und räumliche Wirkung des Außenraums. Das stereoskopische Sehen ist die höchste Form des beidäugigen Sehens (Binokularsehen). Das Sehen mit nur einem Auge wird als Monovision (Monokularsehen) bezeichnet.

Allgemeines: Räumliches Sehen erfordert im Wesentlichen folgende Voraussetzungen: Es existieren zwei Augen mit koordinierter Muskelsteuerung, die eine Fusion (Verschmelzung) der beiden Bildeindrücke des rechten und linken Auges zu einem einzigen ermöglicht (binokulares Einfachsehen). Das Sehzentrum des Gehirns verarbeitet die gewonnenen Bilder und modelliert sie räumlich. Jedes Auge nimmt beim Betrachten eines Objektes einen geringfügig anderen Winkel zu diesem ein. Je weiter ein Objekt entfernt ist, desto mehr nähern sich die Gesichtslinien der Augen einem Parallelstand. Betrachtet man dagegen sehr nahe Objekte, müssen die Augen eine Konvergenzbewegung zur Nase hin vollführen. Diese grundlegende Augenbewegung nimmt man in der Regel nicht bewusst wahr. Frühkindliche Lernprozesse lassen beide Augen gleichzeitig automatisch den Punkt fixieren, den man gerade betrachten möchte. Viele optische Täuschungen resultieren daraus, dass das Gehirn erfahrungsbasiert arbeitet und man dadurch verwirrt werden kann, dass etwas nicht so erscheint, wie man es gewohnt ist. Untersuchungen eines Teams der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest an Säuglingen deuten darauf hin, dass es sich beim räumlichen Sehen um eine erlernte Fähigkeit handelt. Demnach können bei Frühgeborenen, sofern sie visuellen Reizen ausgesetzt sind, ungefähr in derselben Zeitspanne nach der Geburt beidäugiges Sehen nachgewiesen werden wie bei Babys, die zum normalen Zeitpunkt geboren wurden.

Physiologie: Grundlage des stereoskopischen Sehens ist die Abbildung von betrachteten Gegenständen des Außenraums innerhalb des sogenannten Panum-Areals. Dieses stellt einen Bereich vor und hinter der Fläche des Horopters dar, in dem auch Objekte binokular einfach gesehen werden, die nicht auf exakt korrespondierende Netzhautstellen projiziert werden. Dies führt zu einer Querdisparation der dargebotenen Prüfobjekte oder Bilder, deren Ausmaß in Bogensekunden ausgedrückt wird. Je kleiner hierbei die Querdisparation, desto höher ist die Qualität des räumlichen Sehens. Der Wert eines Normalsichtigen liegt bei etwa 20 Bogensekunden. Differenzen im Untersuchungsergebnis können durch unterschiedliche Messverfahren entstehen. Wird das Stereobildpaar getauscht, kehrt sich die Tiefendarstellung um und die Wahrnehmung entspricht dem pseudoskopischen Sehen. Entferntere Objekte liegen nun scheinbar im Vordergrund und nahe Objektpunkte werden in tieferen Bildebenen wahrgenommen. Entspricht das Stereobildpaar der Position der Stereobildaufnahme, so ist ein orthoskopisches Sehen, der üblichen räumlichen Sehgewohnheit entsprechendes Raumbild, möglich. Sind beide Halbbilder der Stereoaufnahme identisch, dann ist keine räumliche Wahrnehmung möglich.

Der Kreuzblick: (im englischen auch Crossview genannt) ist die bewusste Anwendung des Konvergenzmechanismus, um aus den beiden Teilbildern ein räumliches Bild (Stereobild) sichtbar zu machen. Tatsächlich verwenden wir den Kreuzblick immer dann, wenn wir relativ nah fokussieren, etwa beim Lesen: Haben wir ein Buch oder die Tageszeitung vor der Nase, würde jemand, der uns gegenüber sitzt, den Eindruck haben, dass wir gerade schielen. Dieser Eindruck hat jedoch mit der eigentlichen Schielerkrankung nichts zu tun. Beim Einüben des Kreuzblickes geht es also nur darum, dem Gehirn durch Übung (Erfahrung schaffen) klarzumachen, dass es in Ordnung ist, was wir zunächst verschwommen sehen. Wir haben ja lediglich den Schärfepunkt verlagert. Wer also in der Lage ist, Dinge in 20–60 cm Entfernung scharf zu sehen, der hat alle physiologischen Voraussetzungen für die bewusste Anwendung des Kreuzblickes. Beim Schielen entsteht zwischen den beiden Bildern ein virtuelles drittes Bild, das den gewünschten räumlichen Eindruck bietet. Empfohlener Betrachtungsabstand bei unten stehendem Beispiel ca. 70 cm. Eine Kurz- oder Weitsichtigkeit stellt keine Beeinträchtigung der Fähigkeit zum Kreuzblick dar, sofern eine Brille die Sehschärfe korrigiert. Allerdings führt diese Methode relativ schnell zur Ermüdung der Augen. Zudem interpretiert das Gehirn das Bild aufgrund des nahen Kreuzungspunktes als sehr klein. Mit dem Kreuzblick lassen sich auch die Rätsel mit den 8 Unterschieden zwischen zwei Bildern lösen. Farbunterschiede fallen nicht so stark auf, da das gesamte räumliche Sehen auf Formen basiert.Ganz stark springt eine Zahl ins Auge, die in beiden Bildern leicht waagerecht verschoben ist. Mit der üblichen Methode findet man den Fehler schwer, besonders wenn große Abstände zwischen den Zahlen liegen, das Auge also keinen Anhaltspunkt hat. Der räumliche Effekt ist auch hier unverändert stark.Sei allgemein A der Augenabstand des Betrachters, B der Abstand der stereoskopischen Objektpaare und d der Betrachtungsabstand, dann errechnet sich der scheinbare Bildabstand b über den Strahlensatz durch die Gleichung.:

Strahlensatz

Die Größe dieses virtuellen Bildes ergibt sich aus dem Verhältnis b/d und der Größe der Einzelbilder. Im unten stehenden Beispiel beträgt der Abstand (= die Breite) der Einzelbilder etwa 9 cm (abhängig von der Bildschirmgröße), so ergibt sich bei 6,5 cm Augenabstand und 70 cm Betrachtungsabstand der räumliche Eindruck einer nur ca. 3,8 cm großen Miniatur in 29 cm Abstand.

Kreuzblick

Der Parallelblick

(das entspannte Hindurchschauen)

Beim Parallelblick verwendet man die andere der oben erwähnten Sehtechniken, das entspannte Hindurchschauen, um das räumliche Bild zu produzieren. Auch hier denken viele Leute, dass sie das nicht können. Tatsächlich kann es jeder, der in der Lage ist, in unendliche Entfernung zu schauen. Wer den Sonnenuntergang am Horizont betrachtet und dabei ein scharfes Bild sieht, wer die Sterne des Nachthimmels als kleine scharfe Punkte wahrnimmt, der hat alle physiologischen Voraussetzungen, die er für die Anwendung des Parallelblickes braucht. Hierfür sind aber die Anforderungen an das Doppelbild höher, da der Abstand zwischen zwei zu überlagernden Objekten nicht größer als der Augenabstand des Betrachters sein darf. Das sind ca. 6 - 7 cm. Dafür ermüden die Augen bei vielen Menschen nicht so schnell, da die beteiligten Muskeln weniger stark angespannt werden. Zudem interpretiert das Gehirn ein parallel betrachtetes Bild als weiter entfernt und somit größer. Der Parallelblick ist daher für Panoramabilder besser geeignet. Eine Erweiterung des Verfahrens mittels geeigneter Hardware findet unter anderem in der 3D-Darstellung virtueller Realität Anwendung. Der scheinbare Bildabstand b ergibt sich wie beim Kreuzblick aus dem Abstand B der Einzelbilder, dem Augenabstand A und dem Betrachtungsabstand d:

Augenabstand

Der Fall B=A entspricht einem unendlich großen Abstand und somit dem stereoskopischen Eindruck eines weit entfernten Objekts. Für größere Einzelbildabstände wird b formal negativ; für den Betrachter erscheint es jedoch, sofern eine Überlagerung der Einzelbilder gelingt, als sei das Objekt noch weiter entfernt als beim normalen Fernblick. In diesem Fall können die Augen jedoch ebenfalls schnell ermüden. Eine Methode den Parallelblick anzuwenden ist die folgende: Zunächst fixiert man einen ca. 1 bis 3 m entfernten Gegenstand. Anschließend schiebt man das Stereogramm in sein Blickfeld, ohne jedoch dieses nähere Objekt mit den Augen zu fixieren. Langsam heben sich Teile des Bildes hervor und man beginnt, etwas zu erkennen..

Anaglyph 3D

(Monochrom oder Farbanaglyphe)

Unter Anaglyph 3D (auch Anaglyphe oder Anaglyphenbild) „meißeln“, „gravieren“, auch „darstellen“ versteht man im ursprünglichen Sinne zwar grundsätzlich jede Stereoprojektion (z. B. die 3D-Polarisationsprojektion ist also genau genommen auch eine „Anaglyphenprojektion“), meist ist jedoch mit „anaglyphisch“ eine farbanaglyphische Darstellung gemeint. Ein Farbanaglyphenbild ist dabei ein Stereogramm, bei dem die beiden stereoskopischen Teilbilder nicht nebeneinander dargestellt, sondern überlagert werden. Man verwendet die Bezeichnung Anaglyphenbild meist für Monochrom oder Farbanaglyphen, bei denen die Halbbilder in Komplementärfarben eingefärbt werden. Inzwischen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren mit unterschiedlichen Farbfiltern. Farbanaglyphes 3D ist dabei vor allem auch ein sehr preiswert zu realisierendes 3D-Verfahren.

Funktionsweise: Beim Anaglyphen-Verfahren erfolgt die Bildtrennung durch die Verwendung von Farbfiltern. Das rechte und linke Halbbild sind hierbei in Komplementärfarben eingefärbt. Die Trennung der beiden Halbbilder erfolgt mit speziellen Anaglyphenbrillen mit entsprechend gefärbten Gläsern oder Farbfolien. Früher wurden meist Rot mit Grün oder Blau eingesetzt. Beim Ansehen des Anaglyphenbildes löscht der Rotfilter das rote Filmbild aus und das grüne Bild wird schwarz - der Grünfilter löscht das grüne Farbbild und das rote wird schwarz. Da beide Augen nun verschiedene Bilder sehen, entsteht im Gehirn wieder ein räumliches Bild. Anhand des Rot-Cyan-Verfahrens wird hier die Vorgehensweise bei der Erzeugung eines dreidimensionalen Bildes anhand nebenstehenden Schemas erläutert: In der ersten Zeile erkennt man die zwei farbigen Bilder für das linke und rechte Auge (in dieser Darstellung auch mit Parallelblick zu sehen). Die zweite Zeile verdeutlicht, dass ausschließlich der Rotkanal des linken Bildes, sowie Blau- und Grünkanäle des rechten Bildes für dieBerechnung herangezogen werden. Die fertige, farbige Anaglyphe in Zeile drei entsteht durch die Kombination aus Rotkanal des linken und Blau-Grün-Werten des rechten Bildes. Perfekt ist diese Methode nicht. Problematisch sind bei der Betrachtung durch eine Rot-Cyan-Brille vor allen Dingen die zwei linken Kugeln, da sie die Filterfarben Rot und Cyan besitzen, was zu störenden Effekten bei der Betrachtung führt. Während Rot-Grün- und Rot-Blau-Brillen jeweils nur zwei Farbkanäle der verfügbaren Rot-, Grün-, Blaukanäle verwenden, besteht Cyan aus einer Mischung von Grün und Blau, was zusammen mit dem roten Filter alle drei Farben mit ins Spiel bringt (im Falle der Blau-Gelb-Brillen gilt das Gleiche, da Gelb aus rotem und grünem Licht erzeugt wird).

Farbkanäle

Geschichte

(Anaglyphenverfahren seit 1853)

Entwickelt wurde das Anaglyphenverfahren 1853 von Wilhelm Rollmann in Leipzig, der in J. C. Poggendorfs Annalen der Physik (und Chemie) eine Arbeit mit dem Titel Zwei neue stereoskopische Methoden veröffentlichte und darin das Verfahren vorstellte. In der Anfangszeit verwendete man die Anaglyphenbilder insbesondere in mathematischen Lehrbüchern zur Veranschaulichung der Stereometrie und Trigonometrie. Die 3D-Brillen enthielten damals noch den roten Filter vor dem linken Auge, den grünen vor dem rechten. Spezielle Anaglyphenkarten wurden auch im Geografieunterricht eingesetzt. Beispielsweise sind in der Abteilung Geographie Methodik der Pädagogischen Hochschule Potsdam vielfältige dreidimensionale Karten nach dem Anaglyphenverfahren entwickelt und im Heimatkunde - und Geographieunterricht erfolgreich erprobt worden. Bei den Potsdamer Unterrichtsversuchen mit Anaglyphenmaterialien (1967–1970) wurde außerdem statt des traditionellen induktiven Vorgehens bei der Einführung der Schüler in das Kartenverständnis der deduktive Erkenntnisweg beschritten. Ende der 1970er Jahre verbesserte Stephen Gibson die Farbanaglyphentechnik mit seinem patentierten „Deep Vision“-System, das andere Filterfarben verwendet: Rot vor dem rechten Auge und Cyan vor dem linken. Cyan besteht zu gleichen Teilen aus Blau und Grün, und ermöglicht eine bessere Darstellung von Echtfarben. Die dänische Firma Color Code 3D ermöglichte mit einem neuen Verfahren (Bernstein/Blau) die Darstellung von Anaglyphen in noch realitätsnaheren Farben. Die Filterfarben der „ColorCode“-Brillen sind Blau vor dem rechten Auge und Gelb vor dem linken. Dieses System erlaubt es, die Farbe Rot in die Gestaltung des 3D-Bildes miteinzubeziehen. Seit 2007 ergänzt die kalifornische Firma „TrioScopics“ das Angebot an preisgünstigen Farbfiltertechniken mit den Filterfarben Grün (links) und Magenta (rechts). 2008 wurde in England ein weiteres Farbanaglyphenverfahren („Trio Scopics“) eingeführt, mit Grün vor dem linken Auge & Magenta vor dem rechten. Diese Farbfiltertechnik eignet sich besonders für die Bildschirmdarstellung und wird für einige auf DVDs und BDs erschienene 3D-Filme verwendet.

Ende der 1970er Jahre verbesserte Stephen Gibson die Farbanaglyphentechnik mit seinem patentierten „Deep Vision“-System, das andere Filterfarben verwendet: Rot vor dem rechten Auge und Cyan vor dem linken. Cyan besteht zu gleichen Teilen aus Blau und Grün, und ermöglicht eine bessere Darstellung von Echtfarben. Die dänische Firma Color Code 3D ermöglichte mit einem neuen Verfahren (Bernstein/Blau) die Darstellung von Anaglyphen in noch realitätsnaheren Farben. Die Filterfarben der „ColorCode“-Brillen sind Blau vor dem rechten Auge und Gelb vor dem linken. Dieses System erlaubt es, die Farbe Rot in die Gestaltung des 3D-Bildes miteinzubeziehen. Seit 2007 ergänzt die kalifornische Firma „TrioScopics“ das Angebot an preisgünstigen Farbfiltertechniken mit den Filterfarben Grün (links) und Magenta (rechts). 2008 wurde in England ein weiteres Farbanaglyphenverfahren („Trio Scopics“) eingeführt, mit Grün vor dem linken Auge & Magenta vor dem rechten. Diese Farbfiltertechnik eignet sich besonders für die Bildschirmdarstellung und wird für einige auf DVDs und BDs erschienene 3D-Filme verwendet.

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